Die Antwort auf die im Titel dieses Blogeintrags gestellte Frage liegt auf der Hand: Generationen von Bauingenieuren haben sich aus gutem Grund Wissen über Fachwerkmodelle und Spannungsfelder angeeignet, und sie spielen in den Vorlesungen an den Universitäten immer noch eine wichtige Rolle als wertvolle Werkzeuge für die Bemessung von Betonstrukturen. Aber vielleicht interessiert es Sie trotzdem, warum ich sehr besorgt bin, dass Fachwerkmodelle in Zukunft nicht mehr verwendet werden könnten - und was wir getan haben, um dem Aussterben dieser Methoden entgegenzuwirken?

Die Ursprünge von Fachwerkmodellen reichen bis in die Anfänge der Stahlbetonbemessung zurück. Sie wurden aber erst Jahrzehnte später auf eine konsequente mechanische Basis gestellt und für die Bemessung verwendet: In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wagten eine Handvoll Pioniere, darunter Professor Thürlimann und seine Assistenten an der ETH Zürich, die Anwendung von Tragfähigkeitsnachweisen auf Stahlbeton. Dazu interpretierten sie Fachwerkmodelle als diskontinuierliche Spannungsfelder, und diese wiederum als Lösungen nach dem unteren Grenzwertsatz der Plastizitätstheorie. Fachwerkmodelle liefern somit konservative Ergebnisse und ermöglichen es, Zwangsspannungen zu vernachlässigen - was sie zu einem perfekten Instrument für die Bemessung im Grenzzustand der Tragfähigkeit macht.
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